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Aufregendes und Nachdenkliches auf einer Reise durchs Baltikum - Ökumenische Reisegruppe aus Herten war acht Tage unterwegs im Baltikum

HERTEN Wie ein Rausch sind die Tage vorbeigezogen – so empfanden einige Teilnehmer die Fahrt ins Baltikum vom 11.-18. September 2016. Dazu hatte sich ein eine 24-köpfige ökumenisch zusammengesetzte Reisegruppe aus dem Evangelischen Gemeindeverband Herten unter Leitung von Pfarrer Bernhard Stahl auf den Weg gemacht. Organisiert worden war die Fahrt von der Reisemission Leipzig. Bei strahlendem Sonnenschein konnte die Gruppe Geschichte und Kultur der drei Länder Litauen, Lettland und Estland vor Ort kennenlernen, sich über die religiösen Verhältnisse informieren und natürlich auch die landschaftlichen Schönheiten der Region genießen.
Aufregendes und Nachdenkliches auf einer Reise durchs Baltikum - Ökumenische Reisegruppe aus Herten war acht Tage unterwegs im Baltikum

Die Reisegruppe vor der Gutmannshöhle in Lettland

Dabei stieß die Gruppe auf viele kulturelle Spuren der Nachbarländer Polen und Russland und nicht zuletzt auch aus Deutschland. 
Los ging es vom Flughafen Frankfurt. Das erste Ziel der Reise: Vilnius, die Hauptstadt Litauens. Das überwiegend katholische Litauen wurde als letztes europäisches Land erst 1387 christlich. Die Gruppe besuchte u.a. die orthodoxe Heilige Geist-Kirche mit ihrer auffallend grün gestalteten Ikonostase, sowie das Tor der Morgenröte, das einzige noch erhaltene von einst neun Toren der Stadtmauer. Dieses Tor, in dem sich in einer  Kapelle das Bildnis der barmherzigen Muttergottes befindet, hat viele geschichtliche Epochen gesehen und auch manche Verwüstungen in der Stadt überdauert, so dass es als ein Symbol des Widerstandes und der Glaubenskraft gilt. 
Einst galt Vilnius als ein Zentrum des Judentums, weswegen die Stadt auch als „Jerusalem des Nordens“  bezeichnet wurde. Juden hatten dort seit dem 14. Jahrhundert die gleichen Rechte wie Christen. Dieser Kultur wurde dann schlagartig durch den deutschen Einmarsch im 2. Weltkrieg ein Ende bereitet. Hinweisschilder verweisen auf die Spuren des ehemaligen Ghettos in der Stadt. 
Auf ihrem weiteren Weg machte die Gruppe an der eindrucksvollen Wasserburg in Trakai Station. Bei der Stadt Klaipeda, dem ehemaligen Memel, setzte die Gruppe per Fähre über zum Weltkulturerbe Kurische Nehrung, einer fast 100 km langen Landzunge, die das Kurische Haff von der Ostsee abriegelt. Dort war dann Gelegenheit, die 60 m hohe Parniddener Düne zu besteigen und das Thomas Mann-Haus in Nida zu besichtigen, sowie die lutherische Kirche mit dem angeschlossenen Friedhof. Am Ostseestrand wateten im Anschluss viele Teilnehmer durchs warme Ostseewasser.
Ein Rundgang durch Klaipeda führte zur ehemaligen kaiserlichen Hauptpost. Am Simon Dach-Brunnen, dem Denkmal für Ännchen von Tharau ließen sangeskräftige Mitglieder der Gruppe das bekannte Lied erklingen.
Nachdenklich machte die Gruppe auf der Weiterfahrt die Erfahrung des „Bergs der Kreuze“ nahe der Stadt Siauliai (Schaulen), einem 9 Meter hohen Hügel auf dem zehntausende kleine und große Kreuze von unzähligen Besuchern im Laufe vieler Jahre abgelegt wurden, darunter auch viele Kreuze von Kindern. Ihren Ursprung hatte diese Stätte  im nationalen Widerstand der Litauer gegen Russland, später der Sowjetunion. Heute gilt der beeindruckende Ort sowohl als religiöse Stätte, sowie als Symbol politischen Widerstands gegen jegliche Form von Unterdrückung.  
In der nächsten Station, der lettischen Hauptstadt Riga, konnte die Gruppe viele architektonische Zeugen aus der hanseatischen Vergangenheit dieser stolzen Handelsstadt an der Ostsee erleben, z.B. das Schwarzhäupterhaus, einem Versammlungshaus der alten Kaufmannsgilden der Stadt aus dem 18. Jahrhundert. Vom Dach der Peter und Paul Kirche genoss die Gruppe einen großartigen Blick über die alte Hansestadt. In ehemaligen Zeppelinhallen findet dort der alltägliche Markt statt für Fisch, Fleisch und Gemüse. In den alten Gemäuern dieser von Deutschen erbauten Hallen, die eigentlich für den Bau von Militär-Luftschiffen gedacht waren, hallt heute das fröhliche Rigaer Marktleben wider. 
In Riga besuchte die Gruppe auch die Gedenkstätte Bickernicky, die an das Leid vieler ermordeten Juden aus Riga erinnert. Ebenso ist dieser Ort auch Erinnerungsstätte für die durch das Nazi-Regime nach Riga verschleppten und ermordeten Juden aus dem Münsterland und dem Ruhrgebiet, z.B. aus der Stadt Herten. Die Gruppe verharrte dort zu einem stillen Gebet.  
Nach dem Großstadtreiben von Riga war der Reisegruppe der Besuch des stillen und beschaulichen Gauja-Tals gerade recht. Die baltischen Länder sind auch die Länder alter Mythen und geheimnisvoller und zauberhaften Geschichten wie der Rose von Turaida, einer Erzählung um das tragische Geschick eines lettischen Mädchens in der sogenannten Gutmannshöhle.  
Über endlose Straßen durch das weite Land erreichte die Gruppe schließlich Tallin, Hauptstadt Estlands. Dort beeindruckten die wuchtige Stadtmauer und der Domberg mit der Domkirche, der Alexander-Nevskij-Kathedrale und dem Schloss. In Tallin stattete die Gruppe auch der deutschsprachigen lutherischen Gemeinde Estlands  einen Besuch ab und wurde bei Kaffee und Gebäck gastfreundlich über das Leben der kleinen, aber aktiven Gemeinde dort unterrichtet. 
Über das religiöse Leben in den baltischen Ländern nahm die Gruppe den Eindruck mit, dass  man dort als Konfessionen unterwegs ist, unterschiedliche Glaubensinhalte gelten zu lassen und pragmatisch miteinander teilt und zusammen rückt, z.B. in dem man Räumlichkeiten gegenseitig anbietet und nutzt.  
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Abendessen im Restaurant „Peppersack“ in der Altstadt von Tallin. Am Mittag des 18. Septembers ging es dann vom Flughafen Tallin wieder nachhause über Frankfurt nach Herten, nicht ohne dass die Gruppe mit einem kleinen Geschenk  der lettischen Reiseführerin Natalia Polanska ausdrücklichen Dank aussprach für ihre kompetente und umfassende Führung durch diese ereignisreichen Tage. 
 
Text: Pfr. Bernhard Stahl/Bild: Peter Kitzol-Kohn